«Die Klimastiftung Schweiz fördert Schweizer und Liechtensteiner KMU bei der Entwicklung und Skalierung von innovativen und klimafreundlichen Produkten. Wir freuen uns immer, wenn ein Projekt aus Liechtenstein dabei ist – leider kommt das selten vor», sagt Ursula Finsterwald in einem Zeitungsinterview.
Im Vorfeld des Liechtensteiner Unternehmertags 2026 hat unsere Vizepräsidentin von der Partnerfirma LGT der Tageszeitung Vaterland ein Interview gegeben. Unter dem Titel «Klimaschutz neu denken» diskutieren neben Ursula Finsterwald auch Clemens Hagen vom unterstützten liechtensteinischen KMU Pantec Biosolutions und Ivo Klein von der LIFE Klimastiftung über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze im Klimaschutz. Mit freundlicher Genehmigung dürfen wir Auszüge aus dem Interview publizieren.
Am Unternehmertag werden Sie Teil des Impulses «Klimaschutz neu denken» sein, in Ihrer Rolle als Vizepräsidentin der Klimastiftung Schweiz. Wie kam es dazu?
Ursula Finsterwald: Die Pantec Biosolutions aus Ruggell hat ein revolutionäres Lasersystem zur Erkennung und Bekämpfung von Schädlingen und Unkraut in der Landwirtschaft entwickelt. Der Laser erkennt mithilfe künstlicher Intelligenz, was geschützt werden soll und was bekämpft werden muss. Dieses Projekt haben die Klimastiftung Schweiz und die Life Klimastiftung finanziell unterstützt. Clemens Hagen, der CEO der Pantec Biosolutions AG, wird gemeinsam mit Ivo Klein, Stiftungsrat der Life Klimastiftung, und mir das Projekt vorstellen.
Und welchen Impuls wollen Sie setzen?
Finsterwald: Die Klimastiftung Schweiz fördert Schweizer und Liechtensteiner KMU bei der Entwicklung und Skalierung von innovativen und klimafreundlichen Produkten. Wir freuen uns immer, wenn ein Projekt aus Liechtenstein dabei ist – leider kommt das selten vor. Ich habe oft das Gefühl, viele wissen gar nicht, dass sie von der Klimastiftung Schweiz finanzielle Unterstützung erhalten können. Wir möchten die Unternehmen in Liechtenstein motivieren, Projektanträge zu stellen. Pantec war genauso ein Fall. Deshalb möchten wir das Projekt am Unternehmertag als Best Practice vorstellen.
Die Klimastiftung Schweiz fördert also Agrarprojekte unkompliziert?
Finsterwald: Genau. Die Stiftung springt in einer sehr frühen Phase ein – in einem Stadium, in dem oft ausschliesslich Freunde und Familie ein Projekt finanzieren. Bevor Venture-Capital-Geber (VCs) aufmerksam werden und es um Millionenbeträge geht, braucht ein Unternehmen oft kleinere Summen, um überhaupt weiterzukommen, einen Piloten zu testen oder ein Produkt zur Marktreife zu entwickeln. Gerade hatten wir bei der Climate Week Zurich eine Pitch-Session, bei der sich neun von uns geförderte Unternehmen präsentieren konnten. Sie sind jetzt in dem Stadium, in dem sie Kapital von VCs brauchen. Aber erst dank der Klimastiftung Schweiz sind sie überhaupt so weit gekommen. Darum ist diese Stiftung so wichtig.
Die Klimastiftung Schweiz ist nicht Ihr Hobby – sie sitzen dort im Auftrag der LGT, Ihrer Arbeitgeberin, ein. Wie kam es dazu?
Finsterwald: Die drei grossen liechtensteinischen Banken unterstützen die Klimastiftung Schweiz, indem sie die Rückverteilung der gesetzlichen CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe wie Erdöl oder Erdgas freiwillig spenden. Da diese Abgabe haushaltsneutral konzipiert ist, werden die Einnahmen an die Bevölkerung und die Unternehmen rückverteilt. Die Dienstleistungs- und Finanzindustrie bezahlt kaum Abgaben, da sie, auch durch den Fokus auf erneuerbare Energien in den eigenen Gebäuden, fast kein CO2 ausstösst. Da die Rückverteilung früher nach der AHV-Lohnsumme und heute nach der ALV-Lohnsumme berechnet wird, bekommen wir als grosse Arbeitgeber mehr Geld rückerstattet, als wir an Abgaben auf Erdöl sowie Erdgas zahlen.
Und dieses Geld behalten Sie nicht?
Finsterwald: Nein, wir spenden diese Rückverteilung freiwillig an die Stiftung. Wir wollen damit konkrete Klimaschutzprojekte in der Schweiz und in Liechtenstein unterstützen.
Sie beschäftigten sich schon mit Nachhaltigkeit, bevor es zum Trendthema wurde. Was ist Ihre Motivation, sich so tief und breit mit diesem Thema auseinanderzusetzen?
Finsterwald: Ich sehe einfach, dass dieses Thema enorm wichtig ist. Früher haben traditionsreiche Unternehmen wie Kuhn Rikon oder die BBC in Baden noch Werkssiedlungen für ihre Belegschaft gebaut und sozial gedacht. Heute hat man oft das Gefühl, es zählt nur noch der Shareholder Value. Man muss das Thema allerdings langfristiger betrachten. Wenn man nur das nächste Quartal im Blick hat, schaut man ausschliesslich auf den Profit und ignoriert, was rundherum passiert. Meine Motivation ist es, Themen wieder mit einer langfristigen Perspektive zu betrachten.
Ursula Finsterwald ist als Head Group Sustainability Management bei der Partnerfirma LGT und durch ihre Rollen in der Stiftung sowie im Liechtensteiner Bankenverband „eine der profiliertesten Stimmen für Sustainable Finance in der Region“, wie die Zeitung schreibt.
Wir bedanken uns bei der Redaktion der Zeitung „Vaterland“ für die freundliche Genehmigung zur Verwendung von Ausschnitten aus dem Interview.
Hier gehts direkt zu den PDF’s mit dem Original-Interview: Teil 1 und Teil 2
Klima schützen. KMU stärken. Nach diesem Motto unterstützt die Klimastiftung Schweiz Projekte kleiner und mittlerer Unternehmen, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Stiftung hat seit ihrer Gründung 2008 Förderungen in der Höhe von über 43 Millionen Franken in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein gesprochen. Davon flossen über 23 Millionen Franken in mehr als 220 Innovationsprojekte.
Die Klimastiftung Schweiz wurde als gemeinnützige, unabhängige Stiftung gegründet. Sie ist unter Bundesaufsicht und steht interessierten Firmen offen, die durch einen effizienten und gezielten Einsatz der Rückverteilung aus der CO2-Lenkungsabgabe den Klimaschutz verstärken wollen.
Stand Mai 2026