Chancen und Herausforderungen für Climate-Tech

Publiziert am 13.05.2026
7 Minuten

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Zwischen den Pitch-Sessions fand eine Podiumsdiskussion statt. Thema «Wirkung allein genügt nicht: Wie Startups investierbar werden».
Bild Fredi Lienhardt

An klimainnovativen Ideen, Technologien und Projekten mangelt es in der Schweiz nicht. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Finanzierung. Selbst in einem wirtschaftlich starken Umfeld wie der Schweiz ist der Zugang zu ausreichend Kapital jedoch eine Herausforderung. Auch die Klimastiftung Schweiz erhält jährlich deutlich mehr Fördergesuche von KMU und Start-ups, als sie unterstützen kann. Höchste Zeit, sich darüber auszutauschen. Die «Climate Week Zurich» war das ideale Umfeld dafür.

Am Pitch- und Networking-Event vom 5. Mai trafen über 30 klimainnovative KMU und Start-ups auf Investoren und weitere zentrale Akteure aus dem Climate‑Tech‑Ökosystem. Der Anlass – durchgeführt in den Räumlichkeiten der Swiss Re (eine der 32 Partnerfirmen der Klimastiftung Schweiz) in Zürich – wurde in Kooperation mit SICTIC veranstaltet, dem führenden Business‑Angel‑Netzwerk der Schweiz.

«Ich habe heute viel gelernt und wünschte, ich hätte viel mehr Wissen über Technologie», gestand Mirjam Staub-Bisang in ihrer Keynote, mit der sie den offiziellen Teil abschloss. Die Vorsitzende von BlackRock Schweiz betonte die Chance für die Schweiz, Klimainnovationen in Arbeitsplätze, industrielle Ökosysteme und nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen umzuwandeln. Aber sie wies auch darauf hin, dass global rund 90% der Start-ups scheitern.

Vom Zweierteam zu mehr als 65 Angestellten

Unternehmerischer Erfolg entsteht selten ohne Rückschläge. Herausforderungen in den Bereichen Finanzierung, Wachstum und Marktentwicklung gehören zu nahezu jedem Business Case. Entsprechend sprach auch der erste Referent offen über die Hürden auf dem Weg zum Unternehmenserfolg. Florian Perrodin, Mitgründer und CEO von Distran, eröffnete nach der Begrüssung durch die Veranstalter das Programm und gewährte einen authentischen Einblick in die Entwicklungsgeschichte der Firma. Distran gilt heute als gelungenes Beispiel für nachhaltiges Wachstum im Cleantech-Bereich. Der Grundstein wurde 2011 von einem Zweierteam gelegt. Nach der späteren Firmengründung erhielt das Unternehmen Unterstützung von der Klimastiftung Schweiz. Heute beschäftigt es mehr als 65 Mitarbeitende.

Im Anschluss vermittelten Vertreterinnen und Vertreter von neun Start-ups dem Publikum prägnant, welches Potenzial ihre Unternehmen für Markt und Investoren bieten. Die Präsentationen zeigten eindrücklich die Vielfalt und Innovationskraft der Schweizer Cleantech- und Nachhaltigkeitsszene. Den Auftakt machte Michael Schacher. Er erläuterte die Entstehung des Firmennamens von Alligator Systems und schlug dabei die Brücke zum eigenen Konzept: «So wie unsere Technologie schnappt auch der Alligator schnell zu.» Das Unternehmen entwickelt Lösungen für die Energieübertragung zwischen Lastwagen und Anhängern und ermöglicht damit eine flexible, sichere und effiziente Verbindung zwischen Zugmaschine und Auflieger.

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Florian Perrodin, Mitgründer und CEO von Distran, sprach als Keynote-Speaker über die Skalierung seines Deep-Tech-Unternehmens.
Bild Fredi Lienhardt

Inspiriert von frühen Erfahrungen auf einem Bauernhof erkannte Anik Thaler bereits als Kind das Potenzial von Bohnen als wertvoller Rohstoff. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelt Fabas Foods pflanzliche Zutaten auf Basis von Bohnen und Hülsenfrüchten, die als Halbfabrikate für Produkte wie Joghurt, Käse und weitere pflanzenbasierte Alternativen eingesetzt werden. Nach der erfolgreichen Skalierung der Produktionsprozesse in der Schweiz und Deutschland plant das Unternehmen nun die Expansion in weitere europäische Märkte, insbesondere in die DACH-Region sowie in die Niederlande.

«Gewächshäuser verlieren bis zu 30 Prozent ihrer Einnahmen»

Elias Rozinek machte auf eine unsichtbare Herausforderung aufmerksam: «Unter unseren Füssen passiert etwas, was wir nicht sehen.» Mit Fluidbot entwickeln er und sein Team autonome Inspektionsroboter für defekte Trinkwasserleitungen. Ziel ist es, Wasserverluste durch undichte oder beschädigte Rohre frühzeitig zu erkennen und zu minimieren. Durch den Einsatz von Robotik und datenbasierter Analyse sollen Wassernetze effizienter, präziser und proaktiver überwacht werden.

Henry Müller thematisierte die Abhängigkeit vieler Gewächshäuser von fossilen CO₂-Quellen. «Gewächshäuser verlieren bis zu 30 Prozent ihrer Einnahmen aufgrund hoher Kosten für CO₂ aus fossilen Brennstoffen», erklärte er. Fourtyfour entwickelt Anlagen zur direkten CO₂-Gewinnung aus der Umgebungsluft, um dieses lokal und nachhaltig für Gewächshäuser sowie weitere industrielle Anwendungen verfügbar zu machen.

Auch Avigdor Luttinger sprach über die Herausforderungen der Energiewende. Klarom entwickelt Lösungen im Bereich Photovoltaik und Solartechnologie. Luttinger beschrieb den Solarmarkt als «turbulent» und verwies darauf, dass die Produktion von Solarmodulen zunehmend an Kapazitätsgrenzen stosse. Um die stark wachsende Nachfrage langfristig decken zu können, seien technologische und strukturelle Veränderungen notwendig.

Die Reduktion von Methanemissionen ist der Fokus von Sixteen44, vorgestellt von William Ramsey. Methan sei ein besonders problematisches Treibhausgas, «es kommt von überall», erklärte er. Seine Firma entwickelt Ansätze, mit denen Privatpersonen ihre CO₂-Emissionen kompensieren können, während gleichzeitig Landwirte finanziell dafür entlohnt werden, ihre Emissionen nachhaltig zu senken.

Für Solarsplit steht die Vereinfachung von Solarprojekten im Zentrum. Das KMU kombiniert Solarvermittlung mit innovativen Softwarelösungen. Wie Luca Zucchetto und Bryan Umana anschaulich erklärten, unterstützt die Plattform Nutzerinnen und Nutzer dabei, Solarprojekte zu simulieren, Angebote von Installateuren zu vergleichen und Anlagen zu überwachen. Zudem ermöglicht sie die gemeinschaftliche Nutzung und Abrechnung von Solarstrom.

«Abfall ist eine unerschöpfliche Ressource»

Um energieeffiziente Kühlung und intelligentes Wärmemanagement ging es beim Pitch von Erich Rütsche von Thermal Transformer. Im Zentrum steht die Umwandlung von Abwärme – beispielsweise aus Rechenzentren – in nutzbare Kühlung. Dadurch kann Kühlung ohne zusätzlichen Strombedarf erzeugt werden.

«Abfall ist eine unerschöpfliche Ressource», betonte Valentin Ibars von WasteFlow. Das Unternehmen entwickelt Technologien, die Abfallströme in Sortieranlagen in Echtzeit analysieren und dadurch die Effizienz der Anlagen deutlich verbessern. Viele Recyclinganlagen würden heute noch weitgehend «blind» arbeiten, da präzise Daten über Zusammensetzung und Mengen der Materialien fehlten. WasteFlow will diese Informationslücke mit künstlicher Intelligenz schliessen.

Red Flags für mögliche Investments

Zwischen den Pitch-Sessions fand eine attraktiv besetzte Podiumsdiskussion statt. Unter der Moderation von Steffen Ehrhardt diskutierten Nathalie Moral von Clima Now, Johannes Tiefenthaler von Neustark und Myke Näf von Übermorgen Ventures zum Thema «Wirkung allein genügt nicht: Wie Startups investierbar werden». Im Fokus standen die Anforderungen an skalierbare und finanzierungsfähige Geschäftsmodelle im Bereich Climate Tech und nachhaltige Innovation. «Du brauchst Widerstandsfähigkeit», betonte Moral mit Blick auf die Herausforderungen im Unternehmertum. Näf sprach über zentrale Red Flags aus Investorensicht – etwa zu kleine Zielmärkte oder fehlende Wettbewerbsfähigkeit eines Produkts. Tiefenthaler wiederum verwies auf die aktuellen geopolitischen Entwicklungen, die dazu führten, dass Kapitalströme derzeit verstärkt in Bereiche wie Verteidigung gelenkt würden.

Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg schliessen sich nicht aus

Beim anschliessenden Networking-Apéro bot sich den Teilnehmenden die Gelegenheit zum direkten Austausch in informellem Rahmen. Neben den neun pitchenden KMU präsentierten sich weitere 24 Unternehmen und standen Investoren, Partnern und Gästen für Gespräche zur Verfügung. Auch Speaker, Organisatoren und Veranstaltungspartner nutzten den Anlass für persönliche Begegnungen und neue Vernetzungen. Der Event zeigte eindrücklich, wie wertvoll ein offener Austausch auf Augenhöhe für die Förderung nachhaltiger Innovation sein kann.

Für die Klimastiftung Schweiz markierte der Anlass einen Meilenstein: Erstmals in ihrer fast 18-jährigen Geschichte – der offizielle Geburtstag ist der 4. Juli – führte die Stiftung ein Eventformat dieser Art durch. Die Veranstaltung unterstrich deutlich, dass sich Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg nicht ausschliessen, sondern gegenseitig stärken.

Das Organisationsteam der Klimastiftung Schweiz und von SICTIC gemeinsam mit den Speakerinnen und Speakern des Events. V.l.n.r: Johannes Tiefenthaler, Pascale Speck, Myke Näf, Luis Krobath, Nathalie Moral, Steffen Ehrhardt, Léonie Cornet, Roger Vogel, Mirjam Staub-Bisang, Nadine Monnay, Sophie Lamparter, Thomas Hügli
Bild Fredi Lienhardt

Über die Klimastiftung Schweiz

Klima schützen. KMU stärken. Nach diesem Motto unterstützt die Klimastiftung Schweiz Projekte kleiner und mittlerer Unternehmen, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Stiftung hat seit ihrer Gründung 2008 Förderungen in der Höhe von über 42 Millionen Franken in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein gesprochen. Davon flossen über 22 Millionen Franken in mehr als 220 Innovationsprojekte.

Die Klimastiftung Schweiz wurde als gemeinnützige, unabhängige Stiftung gegründet. Sie ist unter Bundesaufsicht und steht interessierten Firmen offen, die durch einen effizienten und gezielten Einsatz der Rückverteilung aus der CO2-Lenkungsabgabe den Klimaschutz verstärken wollen.

Stand November 2025

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