Die Unterstützung von Biogas-Projekten gehört zur DNA der Klimastiftung Schweiz. Die Neueste ist diejenige der von der Energiewirt GmbH projektierten Biomethan-Anlage in Oensingen. Geschäftsführer Adrian Neuenschwander gibt Einblick.
Welche Ziele verfolgt die Anlage?
Adrian Neuenschwander: Geplant sind jährlich rund 25 GWh aufbereitetes Biomethan zur Einspeisung ins Gasnetz der Aare Energie AG sowie rund 3’000 Tonnen abgeschiedenes und verflüssigtes biogenes CO₂. Das Biomethan soll fossile Brennstoffe ersetzen. Das biogene CO₂ kann beispielsweise in der Lebensmittelindustrie, für Getränke oder in Gewächshäusern eingesetzt werden und dort fossiles, häufig importiertes CO₂ ersetzen. Die geplante CO₂-Menge ist eine Produktionsmenge und nicht gleichzusetzen mit einer gesicherten Netto-Emissionsreduktion. Die regionale Produktion kann zudem zur Versorgungssicherheit beitragen.
Welche Rolle kann Schweizer Biomethan für die Versorgungssicherheit spielen?
Neuenschwander: Biomethan kann dort eine wichtige Rolle spielen, wo erneuerbarer Strom allein nicht ausreicht. Es kann insbesondere Industrieprozesse unterstützen, bei denen eine vollständige Elektrifizierung schwierig oder nicht möglich ist. Das Potenzial ist jedoch begrenzt, weil die verfügbare Biomasse nicht beliebig vermehrbar ist. Die Nutzung bislang ungenutzter landwirtschaftlicher Biomasse, etwa Gülle und Mist, bietet zusätzliches Potenzial zur Reduktion von Treibhausgasemissionen. Dabei ist zwischen dem konkreten Substratmix in Oensingen und möglichen zusätzlichen landwirtschaftlichen Potenzialen zu unterscheiden.
Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit aus?
Neuenschwander: Der Aufbau solcher Anlagen ist mit hohen Vorleistungen verbunden. Bewilligungen, Abstimmungen mit Behörden und technische Abklärungen müssen finanziert werden, bevor Einnahmen erzielt werden können. Die Klimastiftung Schweiz leistete einen wichtigen Beitrag, indem sie die frühe Entwicklungsphase unterstützte. Beim Biomethan-Contracting wird die regionale Produktion mit industriellen Abnehmern verbunden. Dabei spielen Herkunftsnachweise, Bilanzierung und vertragliche Absicherung eine wichtige Rolle. Ob sich das Geschäftsmodell langfristig trägt, hängt unter anderem von den Kosten, den Marktbedingungen und der regulatorischen Anerkennung ab. Industriekunden müssen bereit sein, für den Mehrwert des erneuerbaren Energieträgers zu bezahlen.
Welche Bedeutung hatte die Unterstützung durch die Klimastiftung Schweiz?
Neuenschwander: Die Stiftung hat geholfen, die ursprüngliche Idee und Vision in die Umsetzung zu bringen. Besonders wichtig war die Unterstützung in einer Phase, in der bereits erhebliche Entwicklungsarbeit und Vorleistungen nötig waren, der wirtschaftliche Erfolg aber noch nicht gesichert war.
Wo liegen die Schwierigkeiten?
Neuenschwander: Für die CO₂-Abscheidung haben wir nach Abwägung von Aufwand, Anforderungen und Projektrisiken auf einen Förderantrag nach dem Klimaschutz- und Innovationsgesetz des Bundes verzichtet und tragen das entsprechende Investitionsrisiko selbst. Das ist eine unternehmerische Entscheidung im Zusammenhang mit diesem Förderinstrument und keine Kritik an der Unterstützung durch die Klimastiftung Schweiz.
Wie wirkt sich Biomethan auf den Klimaschutz aus?
Neuenschwander: Das Geschäftsmodell des Biomethan-Contractings richtet sich insbesondere an Industrieunternehmen, die ihre CO₂-Emissionen reduzieren müssen. Der Ersatz von fossilem Erdgas durch nachhaltig erzeugtes Biomethan kann fossile Emissionen senken. Die Anrechnung hängt unter anderem von Herkunftsnachweisen, Bilanzierungsregeln und dem geltenden Rechtsrahmen ab; eine Doppelzählung muss vermieden werden. Biomethan eignet sich für Prozesse, bei denen eine vollständige Elektrifizierung schwierig oder nicht möglich ist – etwa bei bestimmten Hochtemperaturanwendungen in der Lebensmittel- und Metallindustrie. Auch zur Wärmeversorgung und zur Absicherung von Spitzenlasten kann es beitragen. Die Nutzung von verflüssigtem biogenem CO₂, beispielsweise in Getränken, ist nicht automatisch eine dauerhafte CO₂-Entnahme.
Wie ist der Projektstand in Oensingen?
Neuenschwander: Die Verträge für die Abnahme des Graugases durch die Aare Energie AG und des biogenen CO₂ sind unterzeichnet. Die Fundamente für die Anlagencontainer sind erstellt, die schweren CO₂-Tanks wurden aufgestellt. Die technische Anlage stammt von einem französischen Hersteller. Die Einspeisung des Biomethans ins Gasnetz und die Verflüssigung des biogenen CO₂ sind nach aktueller Planung ab Anfang 2027 vorgesehen. Noch ausstehende behördliche Bewilligungen und Zertifizierungen sind getrennt zu betrachten: Sie betreffen einerseits die Freigabe des Betriebs und andererseits die Anerkennung des Biomethans als erneuerbarer Energieträger. Erste Industriekunden zeigen bereits Interesse an Schweizer Biomethan-Herkunftsnachweisen. Neben den Herkunftsnachweisen ist die vertragliche Zuordnung von der physischen Gaslieferung zu unterscheiden.
Adrian Neuenschwander ist Inhaber und Geschäftsführer der Energiewirt GmbH in Bellach. Energiewirt entwickelt Geschäftsmodelle für erneuerbare Energie und begleitet Unternehmen bei der Umsetzung von Biomethan-Projekten. In Oensingen begleitet das Unternehmen die BV Kompostieranlage Oensingen AG bei der Umstellung von der Stromproduktion aus Biogas auf die Aufbereitung von Biomethan zur Einspeisung ins öffentliche Gasnetz sowie bei der CO₂-Abscheidung und -Verflüssigung. Zu den Aufgaben von Energiewirt gehören die Projekt- und Geschäftsentwicklung, die Koordination von Fördermitteln sowie die Vermittlung zwischen Gasproduzenten und industriellen Abnehmern.
Fast 70 Biogasanlagen in Betrieb
Bereits 2009 unterstützte die Klimastiftung Schweiz die Genossenschaft Ökostrom Schweiz bei der Vorbereitung des ersten Schweizer Biogas-Pilotprojekts, mit dem eingesparte Emissionen quantifiziert und über die gesamte Laufzeit erfasst wurden. Ziel war die Anerkennung von Biogasanlagen als Klimaprojekte durch das Bundesamt für Umwelt (BAFU). Diese Anerkennung ist wichtig, weil viele Biogasprojekte nur wirtschaftlich realisiert werden können, wenn zusätzliche Einnahmen aus dem Verkauf von CO₂-Reduktionszertifikaten erzielt werden. Das Pilotprojekt ebnete den Weg für die Anerkennung durch das BAFU und schuf damit eine Grundlage für den Ausbau der Biogasproduktion in der Schweiz.
Lorenz Köhli von der Genossenschaft Ökostrom Schweiz sagt dazu: «Ohne die damalige Unterstützung der Klimastiftung Schweiz wäre die Anerkennung durch das BAFU kaum möglich gewesen.» Gemeinsam mit anderen Organisationen leistete die Stiftung einen frühen Beitrag dazu, dass heute 69 als Klimaprojekt anerkannte Biogasanlagen in Betrieb sind, die zusammen jedes Jahr rund 25’000 Tonnen CO₂ einsparen.
Klima schützen. KMU stärken. Nach diesem Motto unterstützt die Klimastiftung Schweiz Projekte kleiner und mittlerer Unternehmen, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Stiftung hat seit ihrer Gründung 2008 Förderungen in der Höhe von über 43 Millionen Franken in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein gesprochen. Davon flossen über 23 Millionen Franken in mehr als 220 Innovationsprojekte.
Die Klimastiftung Schweiz wurde als gemeinnützige, unabhängige Stiftung gegründet. Sie ist unter Bundesaufsicht und steht interessierten Firmen offen, die durch einen effizienten und gezielten Einsatz der Rückverteilung aus der CO2-Lenkungsabgabe den Klimaschutz verstärken wollen.
Stand Mai 2026