Zwischen einer guten Idee und einem marktfähigen Produkt liegen viele Hürden und nicht jedes Vorhaben reüssiert. Dass die Unterstützung durch die Klimastiftung Schweiz in der Anfangsphase zentral ist, zeigt die jährlich Wirkungsmessung: Im Geschäftsjahr 2025 hätten 23% der KMU ihr Innovationsprojekt ohne die Stiftung nicht realisiert, weitere 41 % nur stark verzögert oder in deutlich reduziertem Umfang.
Viele innovative Lösungen von geförderten KMU kamen 2025 auf den Markt. Über alle Jahre betrachtet hat ein Grossteil den Markteintritt geschafft, gleichzeitig wurden einige vielversprechende Ansätze eingestellt. Dies und mehr gibt es im informativen Jahresbericht 2025.
Projektabbrüche sind für jedes Unternehmen herausfordernd, gehören jedoch zu einer gesunden Innovationskultur. Oft sind sie das Resultat einer strategischen Entscheidung, die Ressourcen schont und den Fokus auf wirkungsstarke Ansätze lenkt. Innovationen in den Klimaschutz schaffen neue Märkte und verdrängen klimaschädliche Produkte. Genau hier setzt die Klimastiftung Schweiz an.
Wie aus Neugier Lösungen werden
Neugier ist der Anfang jeder Veränderung: Wer Fragen stellt, entdeckt neue Wege für mehr Klimaschutz. Auf solche Pfade haben sich zum Beispiel Estelle Clerc vom ETH Spin-off CellX Biosolutions oder David Crettenand von der Walliser Firma RedElec Technologie gemacht. Diese beiden Projekte stehen stellvertretend für die zwanzig von der Stiftung 2025 geförderten Vorhaben.

«Während meines Biologiestudiums begegnete ich einer weiteren faszinierenden Welt, die ebenfalls unsichtbar, aber sehr mächtig ist: Bakterien. Das veranlasste mich, meinen Doktor in Meeresmikrobiologie zu machen. Ich erkannte, dass ihre Kraft weit über das blosse Studium der Natur hinausging, sondern dass wir aus der Umwelt selektiv Bakterien gewinnen konnten, die Schadstoffe abbauen können.»
Ein besonders hartnäckiger Schadstoff sind die sogenannten PFAS (Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen). Sie werden „ewige Chemikalien“ genannt und treten bereits in jeder zweitem Schweizer Trinkwasserhahn und Grundwasserproben auf. In Gewässern steigen die Konzentrationen stark an. Biomonitoring zeigt, dass bei 5 % der Bevölkerung PFAS-Werte gesundheitsschädlich hoch sind.
Bakterien als klimarelevanter Game-Changer
CellX hat in belastetem Grundwasser Bakteriengemeinschaften gesucht und gefunden, die die PFAS-Konzentration im Wasser deutlich senken. «Das Potenzial von Bakterien ist enorm. Ihre Nutzung bei der PFAS-Sanierung ist ein Game-Changer», sagt Estelle Clerc. Ob die Bakterien PFAS „fressen“ oder die Moleküle eher zu ihrem eigenen Schutz angreifen und zerlegen, ist laut der Firmengründerin noch im internen Entwicklungsstadium. Beide Wege sind für den Klimaschutz relevant, denn die bis anhin gängigste Methode, die Verbrennung, zur Entsorgung von PFAS ist sehr energieintensiv und stösst viel CO2 aus. CellX trägt mit seiner Lösung somit nicht nur zur Reduktion der PFAS-Verschmutzung, sondern auch zum Klimaschutz bei.
Auch das Walliser Unternehmen RedElec Technologie hat eine neuartige Methode zur Abfallverwertung entwickelt. Hier geht es um Abfälle mit Zink, Nickel, Kupfer, Silber oder Blei. RedElec nutzt ein Verfahren, bei dem diese Metalle mithilfe von Strom selbst aus sehr niedrigen Konzentrationen zurückgewonnen werden können. Dies ist für den Klimaschutz sehr wichtig, da das Recycling von Metallen erheblich zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen beiträgt.

Das von RedElec entwickelte Verfahren kombiniert mehrere Arten von massgeschneiderten elektrochemischen Reaktoren. Der erste, vom Typ Elektro-Fenton, setzt Metalle frei, wenn sie durch andere Verbindungen komplexiert sind. Ein zweiter Reaktor konzentriert diese Metalle dann, selbst wenn sie stark verdünnt sind. Schliesslich ermöglicht ein dritter Reaktor die endgültige Rückgewinnung des reinen Metalls in Pulverform.
«Es ist diese Kombination und nicht ein einzelnes Verfahren, die es ermöglicht, Abwässer zu behandeln, die bisher als ‘zu schwierig’ galten», erklärt der Direktor von RedElec.
Dafür gibt es zahlreiche potenzielle Anwendungsmöglichkeiten. Die chemische und pharmazeutische Industrie, Oberflächenbehandlungsbetriebe oder auch Metallströme aus Strassenabfällen und kontaminierten Böden bieten ebenfalls Chancen. Längerfristig könnte zudem die internationale Bergbauindustrie von dieser Technologie profitieren, um bestimmte umweltschädliche hydrometallurgische Verfahren zu ersetzen. «Die Energiewende macht Metalle strategisch wichtig, und überall auf der Welt wird versucht, sie besser zurückzugewinnen, anstatt sie auf Deponien zu entsorgen», beobachtet David Crettenand.
Die Klimastiftung Schweiz wird von 32 Partnerfirmen getragen, welche sich finanziell und mit Expertinnen und Experten im Stiftungsrat, im Beirat und in verschiedenen Arbeitsgruppen engagieren. Zu diesen Expertinnen zählt auch Maxime Schoch von der Bank Vontobel, die 2025 als neues Mitglied des Stiftungsrates den Vorsitz des fachlichen Beirats übernommen hat. Sie folgt auf Isabel Müller von Swiss Life.
Klima schützen. KMU stärken. Nach diesem Motto unterstützt die Klimastiftung Schweiz Projekte kleiner und mittlerer Unternehmen, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Stiftung hat seit ihrer Gründung 2008 Förderungen in der Höhe von über 42 Millionen Franken in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein gesprochen. Davon flossen über 22 Millionen Franken in mehr als 220 Innovationsprojekte.
Die Klimastiftung Schweiz wurde als gemeinnützige, unabhängige Stiftung gegründet. Sie ist unter Bundesaufsicht und steht interessierten Firmen offen, die durch einen effizienten und gezielten Einsatz der Rückverteilung aus der CO2-Lenkungsabgabe den Klimaschutz verstärken wollen.
Stand November 2025