Vierzig Jahre für Nachhaltigkeit und Klimaschutz

 

Forschen, entwickeln und bilden für erneuerbare Energien und Ressourcen. Das sind die Kerntätigkeiten des Ökozentrums in Langenbruck. Das Zentrum feierte im Jahr 2020 seinen 40. Geburtstag. Teil dieser Geschichte ist auch die Klimastiftung Schweiz.

von Rebekka Ebneter, Ökozentrum

In den 1970er Jahren, der Zeit der Ölkrisen und des Widerstands gegen das AKW Kaiseraugst, suchten viele Menschen nach Möglichkeiten, ihren Lebensstil und die Welt zu verbessern. Drei dieser Menschen, Willy Bierter, Hans Steinemann und Pierre Fornallaz, gründeten 1979 im baselländischen Langenbruck die Stiftung für angepasste Technologie und Sozialökologie. Ausführendes Organ war das Ökozentrum, das ein Jahr später als schweizweit erstes Zentrum dieser Art seine Arbeit aufnahm. In den folgenden Jahren entstand in Langenbruck nicht nur eine Forschungseinrichtung, sondern ein Lebensraum und Knotenpunkt für Menschen, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Es wurde in die verschiedensten Richtungen geforscht. Wenn auch die erneuerbaren Energien immer ein zentrales Thema waren, wurden in den 80er Jahren auch andere Themen wie Abwasserreinigung, Kompostierung oder sogar Fischzucht in Solartonnen bearbeitet.

Nach zehn Jahren hatte sich das Ökozentrum etabliert, aber auch bereits gewandelt. Die permanente Schwierigkeit, die Projekte finanzieren zu können und ein Denken, welches sich von der geteilten Lebens- und Arbeitswelt entfernte, machte eine Umstrukturierung notwendig. So wurde 1991 erstmals eine Geschäftsleitung eingesetzt. In den 1990er Jahren begann das Ökozentrum mit der Forschung an Freikolben-Stirling-Generatoren. Der ineffiziente Automotor sollte nicht mehr im Auto, sondern im Hauskeller installiert werden. Von dort aus sollte er Strom für den Antrieb des Autos produzieren und mit der Abwärme das Haus heizen. Die Forschung am Stirling-Motor bildete die Grundlage für die Schwachgasnutzung, welche ein paar Jahre später zur ersten Zusammenarbeit mit der Klimastiftung Schweiz führte.

Der 300W-Freikolben-Labormotor.

Schwachgasnutzung: Bis zum letzten Rest

Geschlossene Abfalldeponien produzieren 50 bis 100 Jahre lang methanhaltige, stark umweltschädigende Abgase. Diese konnten lange nur über sehr kurze Zeitspannen genutzt oder durch Abfackelung reduziert werden, da sie schnell zu stark verdünnt waren, um noch verbrennen zu können. Deshalb begann das Ökozentrum 2004 mit der Forschung für ebendiese Schwachgasnutzung. Gemeinsam mit zwei anderen Firmen wurde der FLOX®-Brenner entwickelt, welcher 2014 den renommierten Umweltpreis Schweiz erhielt. Die Klimastiftung Schweiz unterstützte das weiterführende Projekt Aactor !GT. In diesem Projekt wurde eine Schwachgasturbine entwickelt, welche die Verbrennungstechnik mit einer kostengünstigen Abhitze-Verstromungstechnik ergänzte. So konnte in der Schwachgasverbrennungs-Anlage Energie in Form von Strom produziert werden. Diese Technik von Schwachgasverbrennung und Energieerzeugung kombinierte das Ökozentrum später mit seinen Pyrolyseanlagen und setzte mehrere Pilotprojekte in Deutschland, Vietnam, Kambodscha, Brasilien und der Schweiz um.

Die 2020 fertiggestellte Schwachgasnutzungs-Anlage in Tüfentobel, St. Gallen.

Anfang des neuen Jahrtausends gab es eine weitere grosse Veränderung am Ökozentrum. Obwohl Bildung und Kommunikation von Anfang an fest zum Schaffen des Ökozentrums gehörten, wurden die Aktivitäten im Bereich Bildung immer weiter ausgebaut. 2002 wurden die ersten Energie-Erlebnistage durchgeführt. Heute heissen sie Klima-Energie-Erlebnistage und jährlich nehmen rund 8000 Schüler*innen daran teil.

Effiziente Elektromobilität

Ende der 2000er Jahre beschäftigte das Entwicklungsteam des Ökozentrums die Frage, wie ein kleines Pendlerfahrzeug sein muss, damit es optimal in die Energieversorgung eines Hauses eingebunden werden kann. Nach dem Bau eines ersten Prototypen kam es zur zweiten Zusammenarbeit mit der Klimastiftung Schweiz. Sie förderte den Flottenversuch, welcher 2011 mit der ersten Kleinserie des neu umbenannten SMILE startete. Der kleine Flitzer gewann an der Wave Trophy 2014 den Preis «Publikumsliebling».

Die fünf ersten SMILEs sind bereit für ihre neuen Besitzer*innen.

Elektromobilität in der Landwirtschaft

Elektromobilität bedeutet aber nicht nur elektrische Autos. Auch in der Landwirtschaft, im Kommunalbereich oder im Garten- und Landschaftsbau werden viele Kleingeräte wie Motorschubkarren, Hacken, Häcksler oder mobile Bewässerungssysteme von fossilen Motoren betrieben. Diese zu elektrifizieren, führte die Klimastiftung Schweiz und das Ökozentrum ein weiteres Mal zusammen. Im geförderten Projekt entwickelte das Ökozentrum die «ePower-Unit». Die elektrische Antriebseinheit macht ein einfaches Umrüsten von den fossil betriebenen Kleingeräten möglich.

Die ePower-Unit wird von Projektleiter Mario Vögeli auf Herz und Nieren geprüft.

Wandel in der Gesellschaft und am Ökozentrum

Das Jubiläumsjahr nahm das Ökozentrum aber nicht nur zum Anlass zurückzublicken. Im schwierigen Coronajahr, in welchem nicht an Jubiläumsfeiern zu denken war, wurde intensiv an der Zukunft des Ökozentrums gearbeitet. Genauso wie die Gesellschaft, wandelt sich auch das Ökozentrum stetig. In Zukunft wird der Bereich Bildung ausgebaut um gemeinsam mit dem grossen Forschungsnetzwerk einen nachhaltigen Wandel in der Gesellschaft, in den Märkten Unternehmen, Gemeinden und Schulen, zu bewirken. Für eine lebenswerte Zukunft.

Über die Klimastiftung Schweiz

«Von der Wirtschaft für die Wirtschaft und fürs Klima». Nach diesem Prinzip unterstützt die Klimastiftung Schweiz Projekte kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Stiftung hat seit ihrer Gründung im Jahr 2008 Förderungen in der Höhe von 31 Millionen Franken für über 2'100 KMU in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein gesprochen.

Die Klimastiftung Schweiz wurde als gemeinnützige, unabhängige Stiftung gegründet. Sie ist unter Bundesaufsicht und steht interessierten Firmen offen, die durch einen effizienten und gezielten Einsatz der Rückverteilung aus der CO2-Lenkungsabgabe den Klimaschutz verstärken wollen. 

Seit Januar 2008 verlangt das CO2-Gesetz eine Abgabe auf Brennstoffe. Ein Teil der Abgaben fliesst zurück an die Wirtschaft. Vor allem grosse Dienstleistungsunternehmen erhalten mehr zurück, als sie bezahlt haben. Diese «Netto-Rückverteilung» setzen die Partnerfirmen der Klimastiftung Schweiz für Klimaschutzmassnahmen von Schweizer und Liechtensteiner KMU ein.

 

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