Diese Innovationen machen die Bauindustrie klimafreundlicher

 

Der Gebäudesektor zählt zu den grössten Verursachern von CO2 in der Schweiz und Liechtenstein. Das Klimapotenzial von Gebäuden ist vielfältig: Vom Bauen über das Heizen und Dämmen bis zur Stromproduktion und zur Abfallvermeidung – in allen möglichen Bereichen sind neue Ansätze gefragt. Die Klimastiftung Schweiz und ihre Partnerfirmen fördern solche Lösungen.

Ein Viertel aller CO2-Emissionen in der Schweiz stammt laut dem Bundesamt für Umwelt aus dem Gebäudesektor. «Es steht ausser Frage, dass in diesem Bereich neue Technologien nötig sind», sagt Mikaël Genty, Beirat der Klimastiftung Schweiz und Head of Real Estate Portfolio Management bei den Vaudoise Versicherungen. «Wollen wir die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen, sind Anstrengungen auf allen Ebenen nötig. Es braucht nicht nur ein gemeinsames und entschlossenes Handeln, sondern auch innovative Lösungen». Quelle für solche Lösungen sind oftmals kleine und mittlere Unternehmen. KMU aus der Schweiz und Liechtenstein, die sich zum Ziel gesetzt haben, den wachsenden Herausforderungen mit neuartigen Technologien und Produkten zu begegnen. Ein Potenzial, das die Klimastiftung Schweiz und ihre Partnerfirmen erkannt haben. Seit ihrer Gründung 2008 unterstützt die Stiftung deshalb Klimaschutzprojekte von Schweizer und Liechtensteiner KMU mit Fördergeldern.

Aus Abfall mach Ziegelstein

Da wäre zum Beispiel das Genfer KMU Terrabloc. Das junge Unternehmen wandelt Erdaushub von Baustellen in Ziegel, Trennwände und weitere Baumaterialien um. Aus Bauabfällen werden so neue Materialien, die Kreisläufe werden geschlossen. Und das macht Sinn, denn: Alleine im Kanton Zürich fallen jährlich mehr als 4 Millionen Kubikmeter Erdaushub an. Bauabfälle, die auf der Deponie landen oder per Lkw ins Ausland transportiert werden. «Für die Klimastiftung Schweiz ist die Wiederverwertung dieses Bodenaushubs als moderner Baustoff die logische Konsequenz», sagt Beirat Mikaël Genty. Die Stiftung bietet Terrabloc deshalb seit Sommer 2019 finanzielle Unterstützung.

Terrabloc macht Bauabfälle zu neuen Baumaterialien.

Zentral für einen nachhaltigen Gebäudesektor ist auch eine gute Dämmung. Aus vielen Häusern entweicht wertvolle Energie, weil sie nicht genügend isoliert sind. Die Dämmung von Gebäuden stellt aber oft eine Herausforderung dar. Zu den gängigen Dämmstoffen zählen unter anderem Styropor oder natürliche Stoffe wie Flachs oder Holzfasern, die aber oft teurer, weniger effizient oder von hoher grauer Energie geprägt sind. Eine Alternative zu diesen Stoffen bietet FenX. Das aus der ETH Zürich heraus gegründete Startup hat eine Technologie entwickelt, um aus Industrieabfällen einen nachhaltigen und rezyklierbaren Schaum für die Dämmung von Gebäuden herzustellen. Auch das ein überzeugendes Beispiel für Kreislaufwirtschaft in der Bauindustrie, das seit 2020 auf Fördergelder der Klimastiftung Schweiz zählen kann.

FenX macht aus organischen Abfällen Material zur Dämmung von Gebäuden. 

Nachhaltiger Beton? Challenge accepted!

Ebenfalls aus der ETH Zürich heraus entstanden ist Oxara. Das Startup hat sich zum Ziel gesetzt, die Betonindustrie zu revolutionieren. Beton gilt als klimaschädlich – unter anderem wegen der CO2-intensiven Zementproduktion. Oxara hat dafür eine Lösung: Ein Beton aus Aushubmaterial, der ohne Zement auskommt. Mit der innovativen Technologie von Oxara lässt sich lehmartiges Aushubmaterial in einen nachhaltigen und günstigen Beton verwandeln. Die Klimastiftung Schweiz unterstützt das Unternehmen seit Ende 2020 bei der Entwicklung dieses Produkts. Mehr zum Projekt und zur spannenden Lebensgeschichte von Oxara-Gründer Gnanli Landrou gibt es übrigens in diesem Artikel der ETH Zürich.

Oxara entwickelt einen nachhaltigen Beton ohne Zement. 

Auch das Berner KMU neustark beschäftigt sich mit Beton. Das Unternehmen nutzt Beton als CO2-Speicher. Mit seinem wegweisenden Verfahren bindet neustark Kohlendioxid in Form von Kalkstein in recyceltem Beton. Damit setzt neustark nicht nur ein Beispiel in Sachen Kreislaufwirtschaft, sondern auch im Bereich der negativen Emissionstechnologien. Als solche werden Technologien bezeichnet, mit denen CO2 aus der Atmosphäre entnommen und langfristig gespeichert werden kann. Der Bund will in seiner Klimapolitik verstärkt auf solche Technologien setzen. Denn um die nationalen Klimaziele zu erreichen, werden eine Reduktion und Kompensation von CO2-Emissionen nicht mehr ausreichen – es braucht neue und zukunftsweisende Ansätze.

Mit vereinten Kräften für den Klimaschutz

«Von der Wirtschaft für die Wirtschaft und fürs Klima». Nach diesem Prinzip unterstützt die Klimastiftung Schweiz Projekte kleiner und mittlerer Unternehmen, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Stiftung hat seit ihrer Gründung im Jahr 2008 Förderungen in der Höhe von 31 Millionen Franken für über 2'100 KMU in der Schweiz und Liechtenstein gesprochen.

Möglich wird diese Förderung durch mehr als 20 grosse Dienstleistungsfirmen aus der Schweiz und Liechtenstein, welche die Stiftung als Partner mittragen. Die Firmen spenden der Stiftung die Rückverteilung ihrer CO2-Abgabe, die dann gebündelt in die Förderung konkreter Klimaschutzprojekte investiert wird. Durch dieses gemeinsame Engagement erreicht die Klimastiftung Schweiz grösstmögliche Wirkung bei kleinstmöglichem Aufwand und fördert sowohl den Klimaschutz als auch die lokale Wirtschaft. Die Stiftung steht interessierten Firmen offen, die durch einen effizienten und gezielten Einsatz der Rückverteilung aus der CO2-Lenkungsabgabe den Klimaschutz stärken wollen.

Zurück

©2008-2021 Klimastiftung Schweiz
.