Kompost-Forscher im Wurmlabor

Bild: WormUp / Erich Fässler

Ein gesunder Boden ist lebenswichtig für Mensch, Pflanzen und Tiere. Die Kompostierung hat ein riesiges Potenzial, den Boden aufzuwerten und gleichzeitig das Klima zu schützen. Ein Zürcher Forscher und sein KMU tüfteln an neuen Methoden.

In seinem Wurmlabor lagert Erich Fässler 18 Tontöpfe – sogenannte Reaktoren. Jeder dieser Töpfe enthält Kompost und unzählige Kompostwürmer in verschiedenen Zusammensetzungen. «Hier untersuchen wir, unter welchen Bedingungen die Würmer die Landwirtschafts-Abfälle, die wir ihnen geben, am schnellsten und besten zu frischem Humus umwandeln», sagt Fässler. Er beobachtet die Vitalität der Würmer, prüft den pH-Wert, ermittelt Umsatzrate und Qualität der Endprodukte und will so ein uraltes Konzept weiterentwickeln: Das Kompostieren.

 

Es ist doch ein Witz! Pferdemist wird entsorgt, teilweise sogar über der Grenze in Deutschland. Und gleichzeitig importieren wir tonnenweise Kunstdünger!

 

Schlagzeilen machte die Firma WormUp bereits mit ihrem Heim-Komposter. In einem kleinen, formschönen Behälter können Einzelpersonen und Familien ihre Rüstabfälle in der Wohnung geruchlos kompostieren. «Bioabfall wird zu schwarzem Gold», so der Slogan. Doch WormUp forscht auch an grösseren Kompostanlagen für die Landwirtschaft und insbesondere für Pferdeställe.
«Es ist doch ein Witz», sagt Fässler: «In der Schweiz leben laut Agroscope 105'000 Pferde, Esel, Ponys und Maultiere. Der Mist von rund 20'000 von ihnen kann auf dem eigenen Betrieb weder verwendet noch entsorgt werden. Der Mist wird dann anderswo entsorgt, teilweise sogar über der Grenze in Deutschland. Und gleichzeitig importieren wir tonnenweise Kunstdünger!» Die Alternative heisst Kompostierung vor Ort, mit möglichst wenig Maschineneinsatz und somit möglichst wenig Treibstoffverbrauch. In langen Haufen, ähnlich der Feldrandkompostierung, wird der Pferdemist von Würmern in frischen Humus umgewandelt. Dieser wird dann wiederum als hochwertiger Dünger auf die Felder ausgebracht oder kann als lokal produzierter Dünger verkauft werden.

Langfristig CO2 im Boden speichern

Die Klimastiftung Schweiz unterstützt die Weiterentwicklung dieser Kompostmethode finanziell, da die Methode einen positiven Effekt auf das Klima hat: Bei einer Düngung mit Kompost statt Kunstdünger geht in den landwirtschaftlichen Böden kein Kohlenstoff verloren, da der Kompost den organischen Kohlenstoff in den Böden besser bindet. Das System verspricht den Humusgehalt zu stabilisieren oder im besten Falle zu erhöhen. Dem Komposthaufen kann zudem Pflanzenkohle beigemischt werden, womit langfristig noch mehr CO2 im Boden gespeichert werden kann.

Noch gibt es einige bürokratische Hürden. «Die Kantone sind zurückhaltend und reagieren unterschiedlich mit Bewilligungen für diese Art der Kompostierung», sagt Fässler. Die Methode ist der Feldrandkompostierung ähnlich, aber eben nicht gleich. Zum Beispiel bleiben die Mieten länger an einem Ort, eher drei bis vier Jahre als ein Jahr wie bei der herkömmlichen Feldrandkompostierung. Die ausgebrachten Mistmengen hingegen sind bezogen auf die Feldrandkompostierung verteilt über die Jahre. Eigentlich wäre es somit logisch, dass eher weniger als mehr Nährstoffe ausgewaschen werden. Trotzdem braucht es weitere Forschung, um diese und weitere Zusammenhänge besser verstehen zu können. WormUp steht in engem Kontakt zu den Behörden. Zurzeit kann das KMU mit dem Kanton Solothurn, welcher sich strategisch für den Humusaufbau in der Landwirtschaft einsetzt, ein kleines Forschungsprojekt auf einem Landwirtschaftsbetrieb durchführen. Für das nächste Jahr sind weitere Forschungsarbeiten in Zusammenarbeit mit Agroscope und dem FIBL geplant.

Auch Coop zeigt Interesse

Interesse erfährt WormUp auch von Seiten der Lebensmittelindustrie. Unterstützt vom Coop Fonds für Nachhaltigkeit arbeiten Fässler und sein Team an Konzepten für die Aufbereitung von Nebenprodukten, welche für andere Verwertungen wie z.B die energetische Nutzung ungeeignet sind. Ziel ist es, diese durch Würmer aufbereiteten Produkte als lokal produzierten, qualitativ hochwertigen Dünger wieder verkaufen zu können. Die Natur arbeitet in Kreisläufen. Diese will WormUp immer besser nutzen, damit aus Abfällen neues Leben entsteht und Boden sowie Klima geschützt werden .

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